Sendepult
← Magazin 01. Juni 2026
Software · 9 min

Mixxx 2.4 — Open-Source-DJ-Software für Webradio 2026

Mixxx 2.4 hat sich vom Hobby-Projekt zur ausgewachsenen DJ-Software entwickelt. Wir zeigen, was die Version für Webradio-Sender konkret leistet.

Mixxx hat eine lange Geschichte: erste Versionen erschienen 2001, lange Zeit war die Software ein nettes Open-Source-Experiment, das in der Praxis hinter VirtualDJ und Serato hinterherlief. Mit Version 2.4, freigegeben im Oktober 2024, hat das Projekt eine Reife erreicht, die es für Webradio-Sender und semi-professionelle DJs zu einer echten Alternative macht.

Lizenz und Plattformen

Mixxx 2.4 steht unter der GNU General Public License v2 und läuft nativ auf Linux (Pakete für Debian, Ubuntu, Fedora, Arch), macOS (10.14 und neuer, Universal Binary mit Apple-Silicon-Unterstützung) und Windows 10/11. Die Installation ist auf jeder Plattform in unter fünf Minuten erledigt; ein zusätzliches Audio-Backend wie ASIO unter Windows oder JACK unter Linux erhöht die Stabilität bei niedriger Latenz.

Die Software ist kostenlos. Keine Trial-Phase, keine Feature-Limitierung, keine versteckten In-App-Käufe. Der Quellcode liegt auf GitHub, Pull Requests sind willkommen.

4-Deck-Layout und Sync-Master

Das Standard-Layout zeigt zwei Decks (klassisches Battle-Setup), per Knopfdruck lassen sich vier Decks aktivieren. Jedes Deck hat eigene Wellenform-Anzeige, eigene EQ-Bänder (Bass/Mid/Treble plus Gain), Pitch-Slider (±8, ±16, ±50 Prozent) und Hot-Cues.

Der Sync-Master-Modus erlaubt es, ein Deck als Tempo-Anker zu definieren; alle übrigen Decks gleichen ihre BPM automatisch an. Wer manuell beatmatchen will, deaktiviert Sync — die Pitch-Bend-Buttons (Temporary-Pitch-Adjust) reagieren responsiv. Im Auto-Sync-Modus passt Mixxx die Phase präzise an, was bei elektronischer Musik fast immer das gewünschte Ergebnis liefert.

MIDI-Controller-Unterstützung

Mixxx 2.4 bringt Werks-Mappings für rund 100 Hardware-Controller mit. Aktuelle Liste der relevantesten Modelle:

HerstellerModellMapping-Status
Pioneer DJDDJ-200offiziell, plug-and-play
Pioneer DJDDJ-400offiziell, plug-and-play
Pioneer DJDDJ-SB3offiziell
Pioneer DJDDJ-REV1offiziell
NumarkMixtrack Platinumoffiziell
NumarkMixtrack Pro FXcommunity
Denon DJPrime 4community, weitgehend funktional
HerculesDJControl Inpulse 200/300/500offiziell
ReloopBuddy/Ready/Touchoffiziell

Wer ein Controller-Modell betreibt, das nicht in der Liste steht, kann eigene MIDI-Mappings als XML-Datei schreiben. Die Lernkurve ist überschaubar; in der Mixxx-Wiki gibt es Beispiel-Mappings für nahezu jeden DJ-Controller, der je verkauft wurde.

Beatgrid-Analyse und BPM-Erkennung

Beim Import eines Tracks analysiert Mixxx Wellenform, BPM und Beatgrid. Die Erkennung trifft bei elektronischer Musik (House, Techno, Drum & Bass) zuverlässig auf den Bruchteil eines BPM genau. Bei Live-Aufnahmen, Hip-Hop mit variabler Tempo-Struktur oder klassischer Musik streut die Erkennung; manuelle Korrektur ist über die Beatgrid-Tools möglich.

Die Analyse läuft im Hintergrund und nutzt mehrere CPU-Kerne. Eine Bibliothek mit 10.000 Tracks ist auf einem modernen Notebook in etwa zwei Stunden vollständig analysiert.

Crossfader und Effekte

Drei Crossfader-Profile stehen zur Wahl: linear (gleichmäßiger Übergang), sharp (harter Schnitt für Scratch-DJs) und scratch (asymmetrische Kurve). Die Wahl beeinflusst spürbar das Mix-Gefühl; für klassisches Beatmixing ist linear meist die richtige Wahl, für Battle-Sets sharp.

Die Effect-Library umfasst Echo, Filter (Low-Pass, High-Pass, Band-Pass), Bitcrusher, Reverb, Phaser, Flanger und einen Looper. Pro Deck stehen vier Effect-Slots zur Verfügung, die sich als Effect-Chain hintereinander schalten lassen. Die Engine ist 64-Bit-Floating-Point und arbeitet bis 96 kHz Sample-Rate ohne hörbare Artefakte.

Streaming-Integration

Das ist für Webradio-Sender die zentrale Funktion: Mixxx 2.4 spricht Icecast und Shoutcast nativ, ohne dass eine zusätzliche Streaming-Software wie BUTT oder Liquidsoap nötig wäre. Die Konfiguration liegt unter Einstellungen → Live-Broadcasting.

Ein Beispiel-Setup für Icecast:

FeldWert
Server-TypIcecast 2
Hostnamestream.example.com
Port8000
Mount-Point/live.mp3
Loginsource
Passwort(Source-Passwort)
CodecMP3
Bitrate128 kBit/s

Mixxx unterstützt parallele Streams auf bis zu drei Servern gleichzeitig — etwa einen Haupt-Stream auf dem Produktiv-Server und einen Backup-Stream auf einem zweiten Anbieter. Verbindungsabbrüche werden automatisch erkannt; ein konfigurierbarer Reconnect-Timer baut den Stream binnen Sekunden wieder auf.

Recording-Funktion

Parallel zum Stream zeichnet Mixxx die Sendung lokal als WAV, FLAC, MP3 oder Ogg auf. Die Aufnahme läuft unabhängig vom Stream — wer den Server-Verbindungsabbruch erlebt, hat trotzdem die Sendung als Datei für die Mediathek. Bei MP3-Aufnahme mit 320 kBit/s belegt eine vierstündige Sendung rund 550 MB Festplatte.

Auto-DJ-Modus

Für Sendepausen oder Nachtprogramm bietet Mixxx einen Auto-DJ-Modus. Tracks aus einer Playlist werden automatisch nacheinander abgespielt; der Crossfade-Zeitpunkt richtet sich nach der Track-Länge oder nach manuell gesetzten Cue-Points. Drei Crossfade-Strategien stehen zur Wahl: feste Fade-Zeit (etwa 8 Sekunden), Skip-Silence (sucht nach leisem Anfang/Ende) und Intro/Outro-Cues (nutzt manuell markierte Übergänge).

Wer 24/7 senden will, kombiniert Auto-DJ mit einer Playlist von etwa 200 Tracks und einer Rotations-Logik. Die Auto-DJ-Queue lässt sich über eine SQLite-Bibliothek extern manipulieren, was Skripting-Setups erlaubt.

Vergleich zu kommerziellen Alternativen

Wer Mixxx mit kommerziellen DJ-Programmen vergleicht, sollte die Kostenstruktur einbeziehen:

SoftwareKostenStreaming nativPlattformen
Mixxx 2.40 EURjaLinux/macOS/Windows
VirtualDJ 202419 EUR/Monatja, mit Plus-AbomacOS/Windows
Serato DJ Pro159 EUR Lifetime + 17 EUR/Monat Suitenein, Drittsoftware nötigmacOS/Windows
rekordbox 70–14 EUR/Monat je Tiernur in Creative-TiermacOS/Windows
Traktor Pro 499 EUR Vollversionja, eingebautmacOS/Windows

Über fünf Jahre gerechnet spart Mixxx gegenüber VirtualDJ rund 1.140 EUR, gegenüber der Serato-Suite rund 1.020 EUR. Wer professionell sendet und Mixxx-Features ausreichen, hat hier einen handfesten finanziellen Hebel.

Praxis-Setup für Webradio

Ein typisches Webradio-Setup mit Mixxx 2.4 sieht so aus: Notebook mit USB-Audio-Interface (Focusrite Scarlett 2i2 oder Behringer UMC22), ein Hardware-Controller (Pioneer DDJ-400 oder Numark Mixtrack), ein dynamisches Mikrofon (Shure SM58 oder Rode PodMic) am Audio-Interface-Eingang und Mixxx als zentrale Sendesoftware. Das Mikrofon wird in Mixxx als Aux-Eingang konfiguriert, ein Talk-Over-Button senkt die Musik-Lautstärke um konfigurierbare 6 oder 12 dB. Stream-Ziel ist Icecast oder Shoutcast.

Die Gesamtkosten dieses Setups: rund 350 EUR Hardware einmalig, dazu 5–10 EUR pro Monat für den Stream-Server. Im Vergleich zu kommerziellen Lösungen ist das die mit Abstand günstigste seriöse Konfiguration für ein eigenes Webradio 2026.


Ressort: Software