Icecast 2.5 vs. Shoutcast 2.6 — Stream-Server 2026 im Vergleich
Zwei Stream-Server dominieren den Webradio-Markt seit Jahren. Wir vergleichen Konfiguration, Bandbreite, Mount-Points und Hosting-Kosten anhand realer Setups.
Wer 2026 ein Webradio aufsetzt, landet bei der Server-Wahl praktisch immer bei zwei Kandidaten: Icecast 2.5 aus dem Hause Xiph.org und Shoutcast 2.6, das inzwischen unter dem Dach von Radionomy bzw. AudioValley weitergeführt wird. Beide Systeme erfüllen denselben Zweck — einen MP3- oder AAC+-Stream vom Studio zum Hörer zu transportieren — unterscheiden sich aber in Lizenzmodell, Architektur und Hosting-Praxis deutlich.
Lizenz, Plattformen und Verfügbarkeit
Icecast 2.5 ist freie Software unter der GNU General Public License v2. Der Quellcode liegt offen auf icecast.org, Pakete existieren für Debian, Ubuntu, Fedora, FreeBSD, OpenBSD, macOS (via Homebrew) und Windows. Das Programm lässt sich ohne Lizenzkosten beliebig vervielfältigen und auf eigener Hardware betreiben — auch in kommerziellen Kontexten.
Shoutcast 2.6 ist kommerziell, in der Praxis aber für Klein-Sender bis 100 simultane Hörer kostenfrei. Wer größer streamt, zahlt Lizenz- bzw. Service-Gebühren an Radionomy. Binärpakete existieren für Linux x86_64, Windows und macOS; einen offenen Quellcode gibt es nicht. Wer auf BSD oder exotischen Architekturen läuft, hat mit Shoutcast keine Freude.
Für Hobby-Sender mit klarem Open-Source-Anspruch ist die Entscheidung damit oft schon gefallen. Wer aber in einem etablierten Shoutcast-Ökosystem sitzt — viele Reseller-Hoster verkaufen primär Shoutcast-Slots — spart sich mit dem Verbleib auf Shoutcast Migrations-Aufwand.
Codec-Konfiguration: MP3, AAC+ und Opus
Beide Server sind Codec-agnostisch: sie schaufeln Bytes vom Source-Client zum Listener und kümmern sich nicht um den Inhalt. Was sie aber unterscheidet, ist die Codec-Unterstützung der jeweiligen Quell-Clients und die Metadaten-Übertragung.
Typische Bitraten in Klein-Webradios 2026:
| Codec | Bitrate | Praxis-Einsatz |
|---|---|---|
| MP3 | 128 kBit/s | Standard, hohe Kompatibilität |
| MP3 | 192 kBit/s | Musik-fokussierte Sender |
| AAC+ v2 | 64 kBit/s | mobile Hörer, sparsam |
| AAC+ v2 | 96 kBit/s | Premium-Stream mobil |
| Opus | 96 kBit/s | technikaffine Hörer, geringe Latenz |
Icecast unterstützt MP3, Ogg Vorbis, Opus, AAC, FLAC und WebM nativ. Shoutcast 2.6 ist auf MP3 und AAC+ ausgelegt; Opus läuft nur über Umwege.
Bandbreite richtig rechnen
Eine konservative Faustformel: ein Hörer bei 128 kBit/s zieht etwa 0,5 GB/h vom Server. Bei 100 Dauer-Hörern und einem 24/7-Betrieb landet man bei rund 36 TB pro Monat — ein Wert, der bei vielen VPS-Tarifen die Inklusiv-Bandbreite sprengt.
Rechenweg: 128 kBit/s = 16 kByte/s = 57,6 MB/h ≈ 0,056 GB/h Netto-Audio. Inklusive TCP-Overhead, HTTP-Header und Re-Connects landet man realistisch bei 0,06 GB/h pro Hörer. Bei 100 Hörern × 24 h × 30 d = 4.320 GB/h Hörer-Stunden × 0,06 GB ≈ 259 GB pro Monat. Bei 192 kBit/s entsprechend rund 390 GB.
Wer parallel mehrere Bitraten ausspielt, summiert die Werte. Genau hier punktet Icecast mit seinem Multi-Mount-Konzept.
Mount-Point-Architektur
Icecast erlaubt pro Server-Instanz beliebig viele Mount-Points — etwa /low.mp3 mit 64 kBit/s für Mobilfunk, /mid.mp3 mit 128 kBit/s als Standard und /hi.mp3 mit 192 kBit/s für stationäre Hörer. Jeder Mount-Point hat eigene Metadaten, eigene Authentifizierung, eigenes Listener-Tracking.
Ein minimaler <mount>-Block in der icecast.xml:
<mount type="normal">
<mount-name>/mid.mp3</mount-name>
<password>quellpass</password>
<max-listeners>250</max-listeners>
<fallback-mount>/fallback.mp3</fallback-mount>
<fallback-override>1</fallback-override>
</mount>
Shoutcast 2.6 arbeitet mit einer Single-Mount-Architektur. Mehrere Streams pro Instanz sind über Stream-IDs möglich (sid=1, sid=2 in der URL), wirken aber im Vergleich zu Icecast aufgesetzt. Die sc_serv.conf eines Shoutcast-Servers ist eine flache Konfigurationsdatei:
streampath_1=/stream
streamid_1=1
streamauthhash_1=xxxxxxxx
streammaxuser_1=200
Für reine Single-Bitrate-Setups ist das vollkommen ausreichend. Sobald Adaptive Streaming oder Mobile-Stream-Varianten dazukommen, wird Icecast pragmatischer.
Source-Connect-Authentifizierung
Beide Server unterscheiden zwischen Source-Clients (DJ-Software, BUTT, Mixxx, Liquidsoap) und Listener-Clients (Browser, Apps). Source-Clients müssen sich authentifizieren.
Icecast nutzt HTTP-Basic-Auth mit dem Benutzer source und einem Passwort, das pro Mount-Point in der XML hinterlegt ist. Optional gibt es URL-basierte Auth-Backends, die gegen eine eigene Datenbank prüfen.
Shoutcast 2.6 arbeitet mit einem Auth-Hash, der in der sc_serv.conf als streamauthhash hinterlegt wird. Der DJ trägt diesen Hash in seinem Source-Client als Passwort ein. Das ist in der Praxis robust, aber pro DJ einen separaten Hash zu generieren ist umständlicher als bei Icecast.
Listener-Tracking und Verzeichnisse
Icecast meldet sich optional am YP-Verzeichnis (Yellow Pages) auf dir.xiph.org an. Das Verzeichnis ist klein, der Traffic über YP gering — aber jeder Eintrag ist kostenlos.
Shoutcast meldet sich am offiziellen Verzeichnis auf shoutcast.com an, das deutlich mehr Hörer-Traffic generiert. Wer auf Discovery durch zufällige Hörer angewiesen ist, sieht hier einen klaren Vorteil.
Beide Server liefern Status-Pages mit aktueller Hörer-Zahl, Peak-Listeners und Stream-Uptime. Icecast bringt eine /status.xsl und eine XML-Schnittstelle (/admin/stats), Shoutcast eine HTML-Status-Page (/index.html) und die /statistics-Schnittstelle.
Hosting-Markt 2026
Wer den Server nicht selbst betreibt, mietet bei spezialisierten Hostern. Eine Marktübersicht für 2026:
| Anbieter | 100 Slots | 300 Slots | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Stream-Wars | 5 EUR/Monat | 12 EUR/Monat | Icecast und Shoutcast |
| server4dj | 7 EUR/Monat | 18 EUR/Monat | Auto-DJ inklusive |
| NetRadioServer | 8 EUR/Monat | 20 EUR/Monat | TeamSpeak-Bundle |
| Streamlicensing | 10 EUR/Monat | 25 EUR/Monat | inkl. US-Lizenzen |
Die Slot-Zahl bezeichnet die maximalen simultanen Hörer. Bandbreite ist meist bei 128 kBit/s gerechnet; höhere Bitraten reduzieren effektiv die Slot-Zahl. Eigenes Hosting auf einem 4-EUR-VPS lohnt sich erst ab etwa 200 Slots — vorher ist der administrative Aufwand höher als die Ersparnis.
Performance unter Last
In synthetischen Benchmarks zeigt Icecast bei 1.000 simultanen Hörern auf einem 2-vCPU-VPS rund 5 Prozent geringere CPU-Last als Shoutcast bei identischer Bitrate. Der Unterschied resultiert aus der schlankeren Event-Loop und dem fehlenden Overhead für die Shoutcast-eigene Metadaten-Verwaltung. Im Klein-Sender-Betrieb mit unter 200 Hörern ist der Unterschied irrelevant.
Empfehlung
Für neue Projekte 2026 ist Icecast 2.5 die naheliegende Wahl: freie Lizenz, breite Plattform-Unterstützung, flexibles Multi-Mount-Konzept, lebendige Community. Shoutcast 2.6 bleibt relevant für Sender, die im klassischen US-Verzeichnis sichtbar sein wollen oder bei einem Reseller-Hoster sitzen, der ausschließlich Shoutcast-Slots verkauft. Beide Server sind technisch ausgereift — die Entscheidung fällt am Ökosystem, nicht an der Engine.